MOLEKULARBIOLOGIE

Molekularbiologische Methoden haben innerhalb kürzester Zeit das
histopathologische Labor erobert. Dieser Siegeszug wird ungebrochen andauern, so
dass in der nahen Zukunft die feingewebliche Diagnostik in vielen Problem-Fällen
ohne gezielte molekularbiologische Zusatzuntersuchungen nicht mehr auskommen
kann. Daher haben schon jetzt einige histopathologische Speziallabors
molekularbiologische Untersuchungen in ihr diagnostisches Routine-Spektrum
aufgenommen. Die Erfahrung zeigt, dass durch den routinemäßigen Einsatz
etablierter molekularbiologischer Diagnostikmethoden die Qualität histologischer
Befundungen vor allem in diffizilen Fällen ganz wesentlich gesteigert werden
kann.
Wo
braucht man molekularbiologische Untersuchungen?
Zum Beispiel in der
Lymphom-Diagnostik
oder bei der Diagnostik erregerbedingter Dermatosen.
Welche
molekularbiologischen Methoden können schon jetzt als Routine-Methoden gelten?
Die in-situ Hybridisierung – und
vor allem die Polymerase-Kettenreaktion (PCR).
Welche Anforderungen
werden an das Untersuchungsmaterial gestellt?
Im Prinzip keine! Der große Vorteil der Polymerase-Kettenreaktion liegt darin,
dass formalin-fixiertes, paraffin-eingebettetes Gewebe verwendet werden kann.
Also keine Extras!
Braucht
der Operateur oder der klinische Dermatologe jetzt molekularbiologisches
Zusatzwissen?
Nein! Die molekularbiologischen Methoden, vor allem die PCR, werden nur sehr
gezielt und selektiv eingesetzt – vor allem auch deshalb, weil dies noch eine
Methode ist, die "von Hand" mit großer Sorgfalt durchgeführt werden muss. Der
personelle Aufwand ist ganz erheblich. So muss letztendlich der Dermatohistologe
selbst über den Einsatz der PCR entscheiden.
Welche
molekularbiologischen Schlagworte sollte sich der Dermatologe merken?
Erreger-Diagnostik und
Lymphom-Diagnostik.
Gibt es
schon jetzt molekularbiologische "Renner"?
Ja. Vor allem die
Borrelien-Diagnostik
scheint in der Dermatohistologie ein Schwerpunkt der molekularbiologischen
Diagnostik zu werden. Der Borrelien-Nachweis (DNA von Borrelia burgdorferi)
mittels "nested PCR" hat sich als äußerst sensitive und zuverlässige Methode
erwiesen – zumal gerade in den frühen Stadien die Borrelien-Serologie
unzuverlässig und kaum aussagekräftig ist. Manchmal gilt dies sogar für den
ganzen Krankheitsverlauf. Die PCR-Methode erfasst dagegen mit hoher Sensitivität
selbst früheste Stadien der Borreliose. Übrigens: fast ein Drittel aller
untersuchten Zecken sind Borrelien-infiziert. Das bedeutet aber nichts! Denn
nicht immer erfolgt eine Übertragung auf den gestochenen Organismus.
Also: bei Borreliose-Verdacht
das menschliche Gewebe und nicht die Zecke untersuchen lassen!
Welche
anderen dermatologischen Krankheitsbilder bieten sich für den Erregernachweis
mittels PCR an?
Viele. Vor allem Viren-induzierte Dermatosen (Herpes simplex Typ 1 und 2,
Varicella-Zoster Gruppe, HPV-induzierte Papillome und Epitheldysplasien (z.B.
bowenoide Papulose). Unklare Exantheme (z.B. HHV-6/7).
Lues
– und viele andere.
M. Kaposi
– was bringt hier die PCR-Untersuchung?
Erstaunliches! Selbst sehr frühe Hautläsionen des M. Kaposi enthalten KSHV/HHV-8
(Kaposi-Sarkom assoziiertes Virus / menschliches Herpes Virus Typ 8). Dieses
Virus lässt sich mittels PCR sehr leicht nachweisen – zudem mit hoher
Sensitivität. Ein einfacher und zuverlässiger diagnostischer Test im Rahmen der
frühen Kaposi-Diagnostik. Besonders hilfreich bei unklaren vaskulären Läsionen.
Molekularbiologische Lymphom-Diagnostik. Muss das sein?
Eigentlich ja! Gerade molekularbiologische Methoden haben in jüngster Zeit
wesentliche Einblicke in das lichtmikroskopisch unsichtbare genetische Gefüge
der Hautlymphome gestattet. Dies ist gerade für die
Differentialdiagnose und für die Klassifikation wichtig. Dabei beschränken sich
die PCR-Untersuchungen keineswegs auf den Klonalitäts-Nachweis (T-Zell-Rezeptor
Gamma Gene bzw. Gene für die schwere Ig-Kette) – viele andere genetische
Anomalien, wie z.B. Chromosomenbrüche und –translokationen, werden bald die
Basis der routinemäßigen molekularbiologischen Lymphomdiagnostik bilden. Schon
heute gehört die molekularbiologische Aufarbeitung unklarer Hautlymphome zum
geforderten Qualitätsstandard. Die dabei erzielten Ergebnisse bedürfen
selbstverständlich immer einer engen Korrelation mit Giemsa-Histologie,
Immunhistochemie und Klinik.
Was tun,
wenn man "etwas sehr Seltenes" mit PCR nachweisen lassen möchte?
Erst telefonieren (nicht immer kann man alles mit PCR zweifelsfrei nachweisen!
Nicht immer reicht "ein Haar" oder "eine Zelle" aus!) – dann biopsieren!
Ansprechpartner:
Frau Dr. rer. nat. G. Palmedo
Tel. 07541 / 6044-24
Fax. 07541 / 6044-10
e-mail:
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18.01.2008 20:15